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Beate Penka

22. März 2017

Bei unserer Schulabschlussfeier im Jahre 1981 wurden Unterlagen zum Thema Knochenmarkspende verteilt. Ich nahm die Prospekte mit und heftete sie bei meinen Krankenversicherungsunterlagen ab ­ und unternahm jahrelang nichts.

Im März 1998 las ich dann von einer Typisierungsaktion im Karlsruher Konzerthaus. Ich arbeitete damals im Nachbargebäude. Da endlich nahm ich mir die Zeit, um mein Blut typisieren zu lassen. Nur wenige Monate später im November 1998 erhielt ich die Nachricht, dass ich eventuell eine geeignete Spenderin sei. Nach weiteren Untersuchungen stellte sich leider heraus, dass meine Merkmale nicht in dem Maß mit denen des Erkrankten übereinstimmten, wie es für eine Knochenmarkspende erforderlich war.

Es ist schwer zu beschreiben, wie ich mich nach diesem Anruf fühlte: auf der einen Seite eine große Traurigkeit. Ich dachte an den kranken Menschen ­ auf der anderen Seite aber auch eine gewisse Erleichterung. Ich war seit dem ersten Anruf in einer Art Euphorie, die ich als sehr unangenehm empfunden habe. Heute empfinde ich nur noch Traurigkeit, dass ich diesem Menschen nicht helfen konnte und wünsche ihm natürlich, dass noch ein passender Spender gefunden wurde. Mir jedoch gab diese Absage nochmals die Gelegenheit, gründlich über meine Spendenbereitschaft nachzudenken und dann auch zu hoffen, dass ich nochmals die Gelegenheit bekäme zu helfen. Im Januar 1999, also gerade 10 Monate nach meiner Aufnahme in die Spenderdatei, erhielt ich einen 2. Anruf von der Uniklinik Freiburg. Es gab nun einen Patienten, dessen Merkmale mit meinen im notwendigen Maß übereinstimmten.

Bei den Voruntersuchungen in der Uniklinik Freiburg begegnete ich immer wieder einem Herrn. Entweder war er vor mir im Untersuchungszimmer oder nach mir. Irgendwann sprach er mich an, wie es mir denn ginge und wann bei mir die Leukämie erkannt worden sei. Ich sagte ihm, dass ich nicht an Leukämie erkrankt sei, sondern eine Knochenmarkspenderin sei. Er lächelte mich ganz ruhig an und meinte dann: „Schön, dass es solche Engel wie Sie gibt.“ Dies war mir etwas peinlich, weil es ja nicht mein Verdienst war, dass ich als Spenderin geeignet war. Im weiteren Gesprächsverlauf erzählte er mir, dass er zehn Monate zuvor eine Knochenmarkspende erhalten habe. Erfreulicherweise hatte sein Körper das fremde Knochenmark angenommen und er war auf dem Weg der Gesundung. Er konnte bereits wieder zur Arbeit gehen, seine geliebten Wanderungen im Schwarzwald machen und ganz einfach: leben.

Eine solche Begegnung wünsche ich jedem Menschen, denn da spürte ich eine große Wärme, die eigentlich unter den Menschen immer spürbar sein sollte. Der gesamte Vorgang der Spende läuft anonym ab. Als Spender hat man ­zumindest damals ­ein Jahr nach der Spende die Möglichkeit, beim Spenderzentrum nachzufragen, ob die Spende erfolgreich war. Ich habe dies nicht getan. Ich kann nicht richtig erklären weshalb: Vielleicht hatte ich Angst, dadurch in mir selbst moralisch zu sehr die Verantwortung für diesen Menschen zu übernehmen, vielleicht hatte ich Angst vor einer Enttäuschung. Heute sehe ich das anders. Heute würde ich es wissen wollen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich jederzeit wieder Knochenmarkspenden würde. Wir alle wissen, dass wir, unsere Familie, unsere Freunde nicht davor gefeit sind, diese Krankheit zu bekommen. Es wäre für uns alle selbstverständlich, für einen guten Freund oder einen Verwandten eine Spende zu geben ­aber warum sollen wir dies nicht auch für uns unbekannte Menschen tun. Wir spenden Blut, warum nicht auch Knochenmark. Es ist nur eine kurze Beeinträchtigung für den Spender, die nicht mit der Gesundung eines Menschen zu vergleichen ist.

Übrigens: Soweit mir bekannt, werden mehr anonyme Knochenmarktransfusionen durchgeführt als von Verwandten. Und dies auch sehr erfolgreich. Also wäre es schön, wenn immer mehr Menschen ihr Zögern überwinden könnten und ihr Blut typisieren ließen.

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